Tod eines Murals

oder: Als Karen zum Wandbild „Die Freiheitstesterin“ Auf-Wiedersehen sagte

Auf Wiedersehn? Die Testerin
wird leider nimmer wiederkommen.
Der Bagger schlägt noch fester hin!
Erst ist das Bild nur leicht benommen,
beim nächsten Schlage sieht man Risse
dann fehlen Stücke – und weg isse.

Die Freiheit, da zu sein: getestet.
Es ist ganz wunderbar, zu leben,
in Farbenform durchs Licht zu schweben
bis man in einem Auge nestet.

Und sind wir weg, dann kommt nichts wieder:
wir fehlen denen, die uns kannten.
Als Kerzen loderten wir, brannten,
ganz weich und rund. Der Tod hat Kanten.
Wir sind wie Lieder.

Die Freiheit, tot zu sein, das Ende
gibt uns und dieser Welt den Wert.
Vergänglichkeiten funkeln. Wennde
heut an den Tod denkst, wirste sehen
es macht Dich seltsam unbeschwert.

Das ist das Dicht-am-Abgrund-Stehen.

Du könntest springen. Deine Fülle
schwebte vor allen, die Dich sehen.

Die Tiefe tieft, die Leere leert,
die Fülle füllt – es ist nur Hülle.
Der Tod lässt Dich ganz unversehrt.
Du wohnst, gewesen, im Vorbei!

Kostbares Jetzt! Du Wert-Gefängnis
des Jammertals! Deine Vergängnis
macht Dich
– zerstörbar
– kostbar
– frei.

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