politisch korrekte Gedichte…

Ein Gomringer-Text muss von ner Wand runter, weil er politisch uncorrect sei. Artikel-Link unten

Übersetzung des Gedichtes von Eugen Gomringer, das im Original auf Spanisch geschrieben wurde:


Alleen
Alleen und Blumen

Blumen
Blumen und Frauen

Alleen
Alleen und Frauen

Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer

[Eugen Gomringer]


Dieser Text sei sexistisch, und kommt nun deshalb von der Wand einer Hochschule, an der er zuvor metergroß prangte, runter.

Warum ich das miserabel finde?

Nun, ich bin wirklich Fachmann für Gedichte. Ich hab hunderte eigene in allen denkbaren Formen der Poetik geschrieben, kann hunderte Texte anderer Poeten in mehreren Sprachen auswendig und trete als Rezitator auf, kurz, ich befass mich häufiger mit Poesie als der Durchschnittsmensch Verdauung hat. Ich steh dazu, andere Leuts ertränken kleine Katzen. Klaro? Und jetzt kommen die Totalitären daher und wollen Dichtung umschreiben.
Die Kultur, ganz klar, muss umgestaltet werden, um der jeweiligen politisch-gefälligen Haltung zu entsprechen.
Selbstverständlich werd ich meine Gedichte nach der Vorgabe von Islamisten, Frauenrechtlern, Fans der allgemeinen kleinschreibung oder des „Schreibens nach Gehör“ jederzeit umarbeiten, auch gern mehrfach oder nach allen Standards gleichzeitig. Schließlich will ich ja auch dann, wenn ich ein Gedicht über Bananenscheiben schreibe, politisch Stellung beziehen, und zwar im Sinn der jeweils lautesten Lobby.
Ich bin natürlich auch bereit, Goethe, wenn ich ihn rezitiere, auf gender umzuschalten:

„We* reitet so spät durch Nacht und Windin?
Es ist die Mutter mit ihrem Kindin
Sie hält den vollwertigen weiblichen Mensch jungen Alters wohl in der Arm*in, Sie fasst e_x sicher, sie hält e_x warmin.“
Schon klar.

Alle Klassiker müssen umgeschrieben werden, wir brauchen Sprachwächter und, auja, Geldstrafen. Denn schließlich ist ja auch bewiesen: wer statt „Bäckerei“ „BäckerInnenei“ schreibt und dort als Backex arbeitet, kann seine-oder-ihre EhepartnerIn nicht mehr prügeln, denn die Sprache steuert ja sein Denken auch dann, wenn er besoffen aus _das_ Stammkneipe kommt. Immer noch klar. So isses.

Die Vorstellung, mit der Sprache das Denken zu diktieren, kommt von Orwell und ist falsch. Aber weil alle Totalitären Orwell lesen, glauben sie’s eifrig. Von mir aus: dann mal los mit der Zensur, der Tyrannei und der Sprachvernichtung. Dass diese Art der Sprach-Aufzwingerei weder bei den Nazis noch in der „DDR“ geklappt hat und beide Regimes heute nur noch mitleidig belächelt werden, checkt irgendwie nie einer.

Als sprachsensibler Besserwisser muss ich allerdings sagen, dass mich wundert, wie schlecht die Vertreter des Genderdingsmus ihr eigenes Zeug einhalten. Die allermeisten fallen in der freien Rede oder auf fb unwillkürlich in „normale“ Sprache zurück, und zwar gerade dann, wenn sie sich besonders echauffieren. In der Wut werden wir echt.

Und Fanatiker, sorry, fallen mir meist durch untermittelmäßige Intelligenz auf… gerade sprachlich. Regen wir uns also ab: den Durchbruch werden diese Leute nicht erreichen, weil das Totalitäre sich meist selbst ad absurdum führt. So wie jetzt:
der Gomringer-Text ist jetzt für immer in der Literaturgeschichte verankert. Er wird europaweit berühmt.
Das politisch korrekte Textchen, das dann ängstlich unter dem strengen Blick der Sittenwächter kauern wird… das wird als Modeerscheinung abgebucht werden.

ars victrix

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/gomringer-debatte-erschreckenden-akt-der-kulturbarbarei-15415612.html

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